
Schillers Ballade „Die Bürgschaft“ um den Tyrannen Dionys, der durch das Beispiel der unverbrüchlichen Treue zwischen zwei Freunden zum Guten bekehrt wird, gilt heutzutage den meisten Schülerinnen und Schülern als angestaubter Klassiker, den man in der Schule halt irgendwann mal lesen muss. Wie man einen solchen „alten Schinken“ entstaubt und spritzig präsentiert, zeigte die Unterstufen-Theater-AG unter der Regie von Martina Fondy einem begeisterten Publikum in ihrer mitreißenden Aufführung.
Das Rezept für die erfolgreiche „Entstaubung“ des klassischen Texts enthält zwei Hauptzutaten:
Eine Regie, die die Darstellerinnen und Darsteller dazu anregt, sich den Stoff und seine Themen wirklich zu eigen zu machen, und ihnen die nötige Freiheit lässt, ihre Ideen einfließen zu lassen. So entstanden selbst verfasste, zusätzliche Szenen, die die Charaktere wie den machtbesessenen Tyrannen (hier eine eiskalte Tyrannin namens Adriane, gespielt von Enya Grav) und die beiden Freunde Damon (Alma Litwenko) und Phintias (Clara Schmidt), die sich gegen die Tyrannei wenden und dabei ihr Leben riskieren, lebendig werden lassen. Nicht zu vergessen natürlich Damons treuen Hund Apollo (gespielt von Amelie Franz), auch eine Eigen-Schöpfung der Theatertruppe. Diese Erweiterungen der Textvorlage, wie beispielsweise auch die amüsante Darstellung der Hochzeitvorbereitungen (in der Rolle als WeddingPlannerin: Coco Ceci), holte die Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler in die Bühnenfassung hinein und sorgten für Anschaulichkeit und Lebensnähe.
Der zweite wesentliche Bestandteil ist ein spielfreudiges, kreatives Ensemble, das mit Witz und schauspielerischem Talent ans Werk geht. Sprechen, Spielen, Tanzen – die Akteure und Akteurinnen stellten ihre Wandlungsfähigkeit (teilweise in mehreren Rollen) eindrucksvoll unter Beweis und präsentierten eine kurzweilige moderne Inszenierung, die bei allen amüsanten Elementen aber auch deutlich machte, dass sich das junge Darstellerensemble intensiv mit Schillers ernsthaften Gedanken auseinandergesetzt hat. Dass am Ende Freundschaft, Treue und Ehrlichkeit über brutales Machtstreben triumphieren, zeigt eindrücklich, was im Leben wirklich zählt.
Die einfallsreiche Regie und die überzeugenden darstellerischen Leistungen wurden gewürzt durch eine aussagekräftige Bühnenausstattung: Ein überdimensionierter Thron verbildlichte den übersteigerten Machtanspruch der Tyrannin, und die mächtigen Gitterstäbe eines Kerkers, in den aufmüpfige Untertanen gesperrt werden, machten spürbar, was die beiden Freunde zu opfern bereit sind, um füreinander einzustehen. Gebaut wurde diese Ausstattung von Schülerinnen und Schülern der NWT-Klasse 9c, eine Kulissengestaltungsgruppe (aus den Klassen 7, 9, und 11) machte sie durch eine gekonnte Bemalung bühnenwirksam. Die Kulissengestalter sorgten ebenfalls für jeweils passende Hintergrundprojektionen, mit denen die unterschiedlichen Schauplätze angezeigt wurden. Ins rechte Licht gesetzt und mit Soundeffekten sowie passenden Songs untermalt wurde das Ganze mit Hilfe der bewährten Crew unserer Technik-AG unter der Leitung von Herrn Zoller.
Die Zuschauerinnen und Zuschauer konnten so einen rundum gelungenen Theater-Abend genießen. Bei so viel Spielfreude, Kreativität und Talent hoffen wir sehr, dass sich die Truppe auch im nächsten Schuljahr ein neues Projekt sucht und wir uns auf eine neue Inszenierung freuen dürfen!
Und jetzt: Lest Schillers „Bürgschaft“!
Text: D. Schmidt
Fotos: K. Lefèvre
