„DNA“ - so kurz und knapp lautet der Titel des zeitgenössischen Stücks des britischen Autors Dennis Kelly, das der English Theatre Club des Markgräfler Gymnasiums am 16. und 17. Juli in einer packenden Inszenierung unter der Leitung von Katharina Coussot zur Aufführung brachte.

Fast so wie der Gewittersturm den gepflegten Hebelpark kurz vor Beginn der Aufführung in ein verwildertes Waldstück verwandelte, empfing die Bühne in der Aula des Gymnasiums die zahlreichen Zuschauer bei der Premiere: Scheinbar wahllos verteilte Blätter, Zweige und Äste bildeten Grundlage und Hintergrund der beklemmenden Geschichte.

Das Stück erzählt von einer Gruppe Jugendlicher, die im nahegelegenen Wald einen geeigneten Treffpunkt abseits von Schule und Elternhaus findet. Soweit, so harmlos, bis eines Tages eine Mutprobe ihr Leben aus der Bahn wirft. Das Opfer ist Ava (überzeugend verkörpert von Katharina Weidner), deren Wunsch nach Zugehörigkeit dazu führt, dass sie sich zu entwürdigenden Aktionen und letztendlich zu einem lebensgefährlichen Balanceakt drängen lässt, bei dem sie tatsächlich in die Tiefe stürzt. Das Publikum erfährt von Avas Schicksal, als zwei der beteiligten Teenager die Ereignisse schildern, untermauert durch Video-Sequenzen im TikTok-Stil.

Wie die einzelnen Gruppenmitglieder mit dieser verzweifelten Situation umgehen, darauf liegt der Fokus des Dramas. Einige wollen ihre Beteiligung am Tod der Schulkameradin vertuschen, andere sind völlig hilflos und verzweifelt. Die Entscheidung trifft Phil und gibt detaillierte Anweisungen, wie und von wem falsche Spuren gelegt werden sollen, einschließlich fremder DNA.

Er ist der Anführer, der mit seinem kalten Intellekt und seiner Entschlusskraft die anderen leicht führen und manipulieren kann. Bezeichnenderweise ist er aber auch der Einzige, der sich - abgesehen von Anweisungen und Entscheidungen - nie an Gesprächen und Diskussionen beteiligt. Besonders deutlich wird das in den Szenen, in denen die überaus reflektierte Leah (hervorragend: Melina Baymaskhan) immer verzweifelter versucht, ihn in ihre komplexen Überlegungen über den Sinn des Lebens oder die Auswirkungen der Tat auf die einzelnen Gruppenmitglieder einzubeziehen - und immer wieder scheitert. Unterstützt wird diese Entlarvung der Emotionslosigkeit durch den genialen Regieeinfall, Phil stets essend auftreten zu lassen, aber auch durch das beeindruckende schauspielerische Talent von Henry Whitehead.

Ebenso einfach wie wirkungsvoll wurden in dieser gelungenen Inszenierung die Szenenwechsel zwischen den Treffen der Großgruppe im Wald und denen kleinerer Grüppchen umgesetzt. Jeweils durch ein entsprechendes Bild auf einer großen Leinwand im Hintergrund wurden die drei wiederkehrenden Schauplätze dargestellt: ein Wald, ein Feld, eine Straße.

Die beiden Mädchen Meg und Jan fungieren als Erzählerinnen. Ihre Gespräche auf der Straße dienen als Vorspiel zu den vier Akten des Stücks (klanglich angekündigt durch die entsprechende Anzahl an Trommelschlägen). In hektischen und unvollständigen Sätzen tauschen sie Neuigkeiten aus. Das verlangt den jungen Schauspielerinnen, zumal in einer Fremdsprache, viel ab, und doch meisterten Lina Kreibich und Una von Ramin diese Aufgabe bravourös.

Überhaupt beeindruckten die jungen Talente aus den Klassen neun bis zwölf mit ihrer großen Sicherheit im Englischen und ihrer hervorragenden Textkenntnis. Darüber hinaus gelang es allen, ihre jeweilige Persönlichkeit überzeugend zu verkörpern: Cathy (dargestellt von Osawume Ojo) will immer gefallen und ist deshalb besonders leicht zu manipulieren; Bree (Gia An Thai) ist äußerst emotional und droht an ihrem schlechten Gewissen zu zerbrechen; Danny (Aleah Fischer) hat ein klares Ziel vor Augen, ist ehrgeizig und folgt Phils Plan aus egoistischen Motiven, und Lou (Christine Hirsch), die typische Mitläuferin, sieht immer so überbetont schwarz, dass sie die anderen nicht ernst nehmen.

Schuldig an Avas Tod, aber auch zu Opfern ihrer eigenen Täuschung werden sie letztendlich alle: John Tate (Akif Özcelik) zieht sich als erster zurück und tritt der „Jesus Army“ bei, um seinen Frieden zu finden, Bree landet in der Psychiatrie, Jan und Meg werden zu Ladendieben und Leah verlässt die Schule. Am Ende nimmt Rachel (gespielt von Zoé Dissler) Leahs Platz neben dem immer noch schweigenden (aber nun nicht mehr essenden) Phil ein. Ein passender Song mit Videoclip bildete das Finale der Vorstellung.

Mit langanhaltendem Beifall würdigte das Publikum die großartige Darbietung des English Theatre Club, der von der Eventtechnik-AG unter der Leitung von Jochen Zoller bei Licht und Ton unterstützt wurde. Auch die stellvertretende Schulleiterin Marion Neugebauer zeigte sich beeindruckt und beglückwünschte auf Englisch alle Mitwirkenden zu dieser gelungenen Aufführung.

 

Text: Elke Klaus-Rettberg


Auf der falschen Spur?

 

Die englische Theater-AG des MGM führte am 16.07.2026 und am 17.07.2026 das Theaterstück „DNA“ von Dennis Kelly auf. Ein Drama voller Lügen und Diskussionen.

Das Theaterstück dreht sich um eine Gruppe Jugendlicher, die realisieren, dass sie vermutlich gerade eine ihrer Mitschülerinnen in den Tod gestürzt haben. Jeder beginnt das Geschehnis auf seine Weise zu verarbeiten, während sie parallel miteinander diskutieren, wie sie weiter machen werden. Die Gruppe kommt zu dem Entschluss, die Polizei zu belügen und eine falsche DNA-Spur zu legen, um ihre eigene Schuld zu vertuschen. Als ein unschuldiger Postbote deshalb im Gefängnis landet, verstricken sich die Teenager immer weiter in ein Lügennetz, woran sie allmählich verzweifeln. Und dann taucht auch noch ihre totgeglaubte Mitschülerin wieder auf und ein neuer Plan muss her.

Die elf Schauspielerinnen und Schauspieler brachten ein rund 70-minütiges Stück auf die Bühne und das auch noch auf Englisch mit sehr guter Aussprache. Jeder und jede Einzelne war authentisch auf der Bühne. Das hat man vor allem durch ihre Bühnenpräsenz gesehen und daran, wie gut sie die einzelnen Emotionen zeigen beziehungsweise spielen konnten. Außerdem hatten manche Rollen sehr umfangreiche, teilweise mehrere Minuten lange Monologe. Neben der Ernsthaftigkeit, die das Drama mit sich brachte, hatte das Publikum zwischendurch trotzdem immer wieder etwas zum Schmunzeln, da die Charaktere auch etwas Ironie in das Geschehen brachten.

Die Bühnenbilder wurden sehr minimalistisch gehalten. Die Theatergruppe nutzte für das gesamte Stück drei Orte: ein Feld, eine Straße und einen Wald. Das Feld und auch die Straße wurden per Beamer an eine Leinwand projiziert. Nur der Wald – der Hauptschauplatz – bestand zusätzlich aus realen Materialien wie Laub, Moos und Ästen. Dass die Geschichte in England spielte, war eindeutig daran zu erkennen, dass alle Darsteller englische Schuluniformen trugen. Die Vorführung endete mit einem Video, in dem Pusteblumen durcheinanderflogen und dabei von einem zum Ausgang des Stücks passenden Song begleitet wurden.

Der English Theatre Club des MGM wird von Frau Coussot geleitet. Sie selbst gründete auch die AG. In den Proben wird ausschließlich Englisch gesprochen. Das verschafft den Schülerinnen und Schülern einen großen Vorteil: Durch diese aktive Kommunikation lernen sie über einen längeren Zeitraum Englisch zu sprechen. Somit wird das Englische zum natürlichen Verständigungsmedium und das Schauspiel auf der Bühne fällt leichter.

Die englische Theater-AG bereitete sich ein komplettes Schuljahr auf die Aufführung vor, wodurch sie die Chance hatten, sich mit dem Drama auch intensiv auseinanderzusetzen. In diesem Prozess haben sich die Schülerinnen und Schüler beispielweise die Hintergrundgeschichte zu ihrer jeweiligen Figur selbst überlegt.

Eine wirklich beeindruckende Gesamtleistung, die vom Publikum mit verdientem Applaus gewürdigt wurde!

 

Text: Charleen Bär, Klasse 11


Bericht in der Zeitung:

https://www.schwarzwaelder-bote.de/lokales/weil-am-rhein-rebland/theater-in-muellheim-wie-jugendliche-mit-verzweiflung-umgehen-79353070.html#google_vignette

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